Theateraufführung Klasse 7ab + 10

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Und überall sind Ketten

Die Musik stoppt.  Marcel aus der 10 b löst sich aus dem Freeze der Tanzhaltung spricht zum Publikum: „Meine Hände sind schweißgebadet!“, wischt sich die Hände an seiner Hose ab und gefriert wieder ein. Katharina löst sich nun aus dem Freeze, legt ihre Hand auf die Schulter von Marcel und sagt: „Was denken die anderen über uns?“ gefriert wieder ein. Nun löst sich Marcel nochmals aus dem Freeze: „Hoffentlich mach ich keinen Fehler!“ und nimmt Katharina wieder in Tanzhaltung

Katharina dreht bloß den Kopf und sagt: Bloß nicht auf die Füße schauen und immer lächeln.“ Die Musik läuft weiter, alle Tanzpaare bewegen sich erneut …

Dies ist eine Szene aus einer Collage, die die Schülerinnen und Schüler der 10 b in diesem Schuljahr im Unterricht entwickelten.

Anfangs beschäftigten sie sich mit Fragen, wie „Was macht unser Leben trist und grau? Oder „Wovor haben wir Angst?

 

Schließlich sind sie bei einem sehr bekannten Ausspruch eines bedeutenden Philosophen und Naturforschers der Aufklärung gelandet. „Der Mensch ist frei geboren, und liegt doch überall in Ketten.“

Jean-Jacques Rousseau inspirierte mit seinen Ideen viele große Dichter, die Französische Revolution und befruchtete die moderne Pädagogik. Seine Gedanken hatten großen Einfluss auf die politische Theorie des späten 18. sowie des 19. und 20. Jahrhunderts in ganz Europa. Nach über 300 Jahren sind die Gedanken des Universalgenies noch oder gerade wieder aktuell.

Was sind denn unsere „Ketten“?

Natürlich fielen zunächst Begriffe wie: Pflichten, Gesetze, Normen, Richtlinien, Gruppenzwang, Politik, Religion … usw.

Aber bei weiterem Nachdenken kamen wir dann auch auf Dinge, die uns nicht von außen aufgedrückt werden, sondern die in uns selbst liegen: Wertmaßstäbe, Einstellungen, Zweifel, Emotionen, Grenzen, Barrieren, Illusionen …

Auch kam der Aspekt zur Sprache, ob wir überhaupt frei geboren wurden oder ob wir letztlich doch nur das Produkt unserer Gene sind.

Als Essenz unserer Überlegungen formulierten wir drei Kernsätze:

Angst, Sorgen und Emotionen bestimmen unsere Sicht auf uns und die Welt.

Sie verhindern, dass wir uns frei entfalten können und das, was wirklich in uns steckt, entwickeln.

Sie legen uns in Ketten und rauben uns die Freiheit.

 

Und mit diesen drei Kernsätzen kreierten wir ein ganzes Theaterstück.

 

Alles, was uns in diesem letzten Schuljahr beschäftigte, konnte mit eingebaut werden.

Die Bilder aus den Nachrichten: von Kriegen, Flüchtlingsströmen, Terroranschlägen, Naturkatastrophen …

Der Tanzkurs, den nahezu alle mitmachten

Die Prüfungen, die näher kamen und doch so manche Sorgen auslösten

Die Probleme, die uns als Klassengemeinschaft beschäftigten

Unser zukünftiges Leben nach der Schule

 

Wir experimentierten mit Ketten, versuchten uns mit Video-Clips, übten Chorsprechen, ersannen kurze Dialoge, erdachten Haltungen und Standbilder, kamen von Übungen zu kleinen Szenen.

 

Am 25.7.17 um 19:00 Uhr war es dann soweit:

Wir brachten unsere Produktion „In Ketten“ in der Schulaula auf die Bühne. Vor unserem Stück zeigten die Klassen 7 a und 7 b  ihr Stück „Trist und grau“.

 

Zwei Produktionen mit eigentlich dem gleichen Inhalt, jedoch unterschiedlich interpretiert und gestaltet.

Susanne Bonora und Edgar Kleinlein